Teilenummer entschlüsseln: so ist die Nummer bei VW, BMW, Mercedes, Renault und Toyota aufgebaut

Von Norbert Hofmann

Stand

Kurzantwort

Eine Hersteller-Teilenummer ist kein Zufallscode. Bei VW steht vorn das Modell, in der Mitte die Baugruppe, hinten die Variante (1K0 615 301 AA). Bei BMW nennen die ersten zwei Ziffern die Hauptgruppe (11427566327: 11 = Motor). Bei Renault und Nissan im Alliance-Format ebenfalls (271A35334R: 27 = Heizung/Klima). Wer das Schema kennt, prüft eine Nummer in Sekunden auf Plausibilität und findet im Katalog schneller die richtige Baugruppe.

1. Das Prinzip: Modell, Baugruppe, Nummer, Variante

Fast alle Hersteller bauen ihre Teilenummern aus denselben vier Bausteinen, nur in anderer Reihenfolge und Länge:

  • Baugruppe: Motor, Bremse, Karosserie, Elektrik. Meist als Zahl, die im ganzen Katalog gleich bleibt.
  • Modell oder Baureihe: das Fahrzeug, für das das Teil zuerst entwickelt wurde. Das Teil kann trotzdem in anderen Modellen stecken.
  • Laufende Nummer: unterscheidet die Teile innerhalb der Baugruppe.
  • Variante oder Revision: Buchstaben oder Ziffern am Ende, die Ausführung, Farbe oder Überarbeitungsstand kennzeichnen.

Was keine Nummer enthält: Baujahr und Motorisierung. Welche Nummer zu welchem Fahrzeug passt, steht nur im Katalog. Deshalb ist der Weg über die Fahrgestellnummer der sichere, wie im Ratgeber OE-Nummer herausfinden und im Ratgeber Ersatzteile nach Fahrgestellnummer beschrieben. Die Marken-Ratgeber gehen jeweils tiefer: VW-Konzern, BMW, Mercedes, Opel, Renault, Peugeot und Citroën, Fiat, japanische Hersteller.

2. VW, Audi, Skoda, Seat

Das VW-Schema ist das transparenteste und gilt konzernweit, auch für Audi, Skoda, Seat und Porsche-Teile aus dem Konzernregal. Beispiel 1K0 615 301 AA:

BlockBeispielBedeutung
1. Block1K0Modellkennung des Fahrzeugs, für das das Teil entwickelt wurde (1K = Golf V / Jetta, 1J = Golf IV, 8E = Audi A4 B6/B7, 3C = Passat B6). Die dritte Stelle unterscheidet Varianten innerhalb der Baureihe, 0 ist der Normalfall.
2. Block615Hauptgruppe und Untergruppe. Die erste Ziffer ist die Hauptgruppe (1 = Motor, 2 = Kraftstoff/Abgas, 3 = Getriebe, 4 = Vorderachse/Lenkung, 5 = Hinterachse, 6 = Räder/Bremsen, 7 = Pedale/Handbremse, 8 = Karosserie, 9 = Elektrik). 615 steht für Bremsscheiben und Bremssattel.
3. Block301Laufende Nummer des Teils innerhalb der Untergruppe. Ungerade Nummern kennzeichnen häufig die linke, gerade die rechte Seite (301 links, 302 rechts).
ZusatzAAVariante oder Überarbeitung. Ein Buchstabe oder zwei, bei Farbteilen ein Farbcode wie 9B9 (schwarz).
Praxis-Hinweis

Die Modellkennung sagt nicht, dass das Teil nur dort passt. Eine 1K0-Bremsscheibe steckt auch in Audi A3 8P, Skoda Octavia II und Seat Leon 1P, weil sie alle auf der PQ35-Plattform stehen. Die Kennung zeigt nur, wo die Nummer vergeben wurde.

3. BMW und Mini

BMW nutzt elf Ziffern, im Katalog mit Leerzeichen gruppiert: 11 42 7 566 327, in Shops ohne Leerzeichen 11427566327. Die ersten beiden Ziffern sind die Hauptgruppe, die nächsten beiden die Untergruppe, der Rest die Teilenummer:

HauptgruppeBereichHauptgruppeBereich
11Motor34Bremsen
12Motorelektrik36Räder und Reifen
13Kraftstoffaufbereitung41Karosserie Rohbau
16Kraftstoffversorgung51Karosserieausstattung
17Kühlung52Sitze
18Abgasanlage61Elektrik allgemein
22Motor- und Getriebeaufhängung63Beleuchtung
31Vorderachse64Heizung und Klima
32Lenkung65Audio, Navigation, Elektronik
33Hinterachse72Sicherheitssysteme

11 42 = Motor, Ölversorgung: dort sitzt der Ölfilter 11427566327, der für viele BMW-Vier- und Sechszylinder der Baureihen E8x, E9x, F2x und F3x gelistet ist. Mini nutzt dasselbe Schema, oft mit identischen Nummern.

4. Mercedes-Benz

Mercedes-Nummern beginnen mit einem Buchstaben und haben zehn Ziffern in vier Blöcken: A 000 000 00 00. Das A steht für ein Pkw-Teil (N für Normteile wie Schrauben, B für Zubehör). Der erste Dreierblock ist die Baureihe, für die das Teil zuerst vergeben wurde (203 = C-Klasse W203, 211 = E-Klasse W211, 000 = baureihenübergreifend), der zweite Dreierblock die Baugruppe (zum Beispiel 421 = Bremse), danach Untergruppe und laufende Nummer. Bei Farb- und Ausstattungsteilen folgt ein vierstelliger Farbcode.

5. Renault, Dacia, Nissan

Renault führt zwei Formate parallel. Alte Nummern sind rein numerisch mit zehn Stellen und beginnen meist mit 77 oder 82: 7700834523 (Kühlerschlauch, Laguna, belegt im laguna-forum.de). Seit der engen Zusammenarbeit mit Nissan nutzt Renault das Alliance-Format: zehn Stellen mit Buchstaben, am Ende immer ein R.

FormatBeispielAufbau
Renault alt7700834523Zehn Ziffern ohne erkennbare Baugruppe, Zuordnung nur über den Katalog Dialogys.
Renault Alliance271A35334RDie ersten zwei Stellen sind die Baugruppe nach Nissan-Logik (27 = Heizung/Klima), dann die Identnummer, dann das Kennzeichen R. Das Teil ist ein Wasserschlauch der Heizung im Scenic.
Nissan27110-8B700Fünf Stellen Baugruppe und Untergruppe, Bindestrich, fünf Stellen Identnummer. 27110 = Heizungsgehäuse.

Dacia nutzt die Renault-Nummernkreise komplett. Gleiche Nummer bedeutet gleiches Teil, unabhängig vom Logo auf der Verpackung.

6. Toyota und andere japanische Hersteller

Toyota, Lexus, Nissan, Mazda, Subaru und Honda nutzen fast alle das Schema "fünf Stellen, Bindestrich, fünf Stellen". Die ersten fünf Stellen nennen Baugruppe und Teileart, die letzten fünf das konkrete Teil. Bei Toyota ist das bekannteste Beispiel der Ölfilter 90915-YZZE1: 90915 = Ölfilter als Normteil, YZZE1 = Ausführung. Bremsbeläge vorn beginnen bei Toyota mit 04465, hinten mit 04466.

7. Ford, Opel, PSA, Fiat

  • Ford: zwei Nummern pro Teil. Die siebenstellige Finis-Nummer ist die Bestellnummer, die Engineering-Nummer (zum Beispiel im Format 1S7G-6714-DA) steht auf dem Teil und verrät Entwicklungsjahr, Baugruppe (6714 = Ölfilter) und Revision.
  • Opel: Opel-Katalognummer (sieben Ziffern, zum Beispiel 1302867) und GM-Teilenummer (acht Ziffern, zum Beispiel 90411634) laufen parallel, beide bezeichnen dasselbe Teil (hier ein Kühlerlager des Omega B). Seit der Übernahme durch PSA/Stellantis kommen bei neuen Modellen PSA-Nummern dazu.
  • Peugeot, Citroën, DS: ältere Nummern bestehen aus vier Ziffern plus zwei Buchstaben, neuere Stellantis-Nummern aus zehn Ziffern. Katalog ist die Service Box.
  • Fiat, Alfa, Lancia: acht Ziffern ohne erkennbare Struktur, Zuordnung ausschließlich über den Katalog ePER.

8. Plausibilität prüfen in drei Schritten

  1. Länge und Format: Elf Ziffern bei BMW, zehn mit R bei Renault, drei Blöcke bei VW. Passt die Länge nicht, ist es meist eine Zulieferer-Nummer oder eine Nummer eines anderen Herstellers.
  2. Baugruppe: Suchst du eine Bremsscheibe und die Nummer beginnt bei BMW mit 11, stimmt etwas nicht (11 = Motor, 34 = Bremsen).
  3. Katalog-Gegenprobe: Nummer in einen freien Katalog oder einen großen Online-Shop eingeben. Erscheint ein anderes Bauteil als erwartet, ist es die falsche Nummer.

9. Häufige Fragen

Steht das Baujahr in der Teilenummer?

Nein. Keine der gängigen Nummern enthält Baujahr oder Motor. Nur die Ford-Engineering-Nummer trägt am Anfang eine Jahres- und Dekaden-Kennung, die sagt aber nur, wann das Teil entwickelt wurde.

Warum stehen auf dem Teil zwei verschiedene Nummern?

Eine ist die Nummer des Fahrzeugherstellers (OE), die andere die des Zulieferers, der das Teil gefertigt hat. Beide sind korrekt, aber nur die OE-Nummer ist über alle Shops hinweg vergleichbar.

Was bedeuten die Buchstaben am Ende einer VW-Nummer?

Sie kennzeichnen Varianten und Überarbeitungen. Ein Teil mit Zusatz AA ist eine spätere Ausführung als dasselbe Teil mit Zusatz A. Ob die neuere Version die alte ersetzt, steht im Katalog unter "ersetzt durch".

Quellen: Herstellerkataloge ETKA, ETK, EPC, Dialogys; Nissan-Teileverzeichnisse; Beispielnummern aus Forenthreads (scenic-forum.de, laguna-forum.de) und Händlerlistungen. Stand: Oktober 2026. Keine Gewähr für Einzelzuordnungen, verbindlich ist immer der Katalog mit Fahrgestellnummer.

Norbert Hofmann

Betreibt teile-profis.de, schraubt selbst, prüft jede Teilenummer gegen Katalog oder Forenthread. Fehler gefunden? Mail ans Impressum.