Die Fahrgestellnummer (FIN, international VIN) hat 17 Zeichen und steht im Fahrzeugschein in Feld E. Stellen 1 bis 3 nennen den Hersteller (WVW = Volkswagen Pkw), 4 bis 9 beschreiben das Fahrzeug, Stelle 10 ist bei vielen Herstellern das Modelljahr, Stelle 11 das Werk, 12 bis 17 die Seriennummer. Beispiel VW: WVWZZZ1KZ... ist ein Golf V, die Modellkennung 1K steht auf Stelle 7 und 8. Ausstattung und Motor stehen nicht direkt in der Nummer, die liefert erst der Herstellerkatalog zur FIN.
1. Wo die Fahrgestellnummer steht
- Zulassungsbescheinigung Teil I: Feld E. Teil II (Fahrzeugbrief): Feld E bzw. Ziffer 4 im älteren Brief.
- Hinter der Windschutzscheibe: unten links auf dem Armaturenbrett, bei den meisten Fahrzeugen ab den 2000er-Jahren von außen lesbar.
- Typenschild: meist im Türrahmen der Fahrer- oder Beifahrerseite (B-Säule) oder im Motorraum.
- In die Karosserie geschlagen: je nach Hersteller im Motorraum an der Stirnwand, rechts vor dem Vordersitz im Bodenblech oder im Radhaus. Das ist die rechtlich maßgebliche Stelle.
2. Der Aufbau: WMI, VDS, VIS
Die FIN folgt der Norm ISO 3779 und ist seit 1981 in Europa üblich. Vorher vergab jeder Hersteller eigene Fahrgestellnummern ohne festes Schema. Die 17 Stellen gliedern sich in drei Blöcke:
| Stellen | Block | Inhalt |
|---|---|---|
| 1 bis 3 | WMI (World Manufacturer Identifier) | Region, Land und Hersteller. Stelle 1 ist die Region: W = Deutschland, V = Frankreich und Spanien, Z = Italien, S = Großbritannien, J = Japan, K = Südkorea, 1 bis 5 = Nordamerika. |
| 4 bis 9 | VDS (Vehicle Descriptor Section) | Fahrzeugbeschreibung nach Herstellerschema: Baureihe, Karosserie, teils Motor. Nicht genutzte Stellen füllen europäische Hersteller oft mit Z. |
| 10 bis 17 | VIS (Vehicle Indicator Section) | Bei vielen Herstellern Stelle 10 = Modelljahr, Stelle 11 = Werk, danach die fortlaufende Seriennummer. |
Die Buchstaben I, O und Q kommen in keiner FIN vor, damit sie nicht mit 1 und 0 verwechselt werden. Steht in deiner Abschrift ein O, ist es eine Null.
3. Herstellercodes auf Stelle 1 bis 3
| WMI | Hersteller | WMI | Hersteller |
|---|---|---|---|
| WVW | Volkswagen Pkw | VF1 | Renault |
| WV2 | Volkswagen Nutzfahrzeuge | VF3 | Peugeot |
| WAU | Audi | VF7 | Citroën |
| WBA | BMW | UU1 | Dacia |
| WDB WDD | Mercedes-Benz Pkw | ZFA | Fiat |
| W0L | Opel | ZAR | Alfa Romeo |
| WP0 | Porsche | TMB | Skoda |
| WF0 | Ford Deutschland | VSS | Seat |
Ein Hersteller kann mehrere WMI haben, je nach Werk und Fahrzeugart. Japanische Fahrzeuge aus europäischer Produktion tragen häufig einen europäischen WMI (zum Beispiel S für Großbritannien), nicht den japanischen.
4. Modelljahr auf Stelle 10
In Nordamerika ist Stelle 10 als Modelljahr Pflicht, in Europa nicht. VW, Audi, Skoda, Seat und viele andere nutzen sie trotzdem so. Das Modelljahr ist nicht das Datum der Erstzulassung und nicht immer das Baujahr: Bei VW beginnt ein neues Modelljahr meist im Sommer des Vorjahres. Die Codes wiederholen sich alle 30 Jahre, die Buchstaben I, O, Q, U, Z und die Ziffer 0 werden nicht verwendet.
| Code | Jahr | Code | Jahr | Code | Jahr |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 2001 | A | 2010 (1980) | L | 2020 (1990) |
| 2 | 2002 | B | 2011 (1981) | M | 2021 (1991) |
| 3 | 2003 | C | 2012 (1982) | N | 2022 (1992) |
| 4 | 2004 | D | 2013 (1983) | P | 2023 (1993) |
| 5 | 2005 | E | 2014 (1984) | R | 2024 (1994) |
| 6 | 2006 | F | 2015 (1985) | S | 2025 (1995) |
| 7 | 2007 | G | 2016 (1986) | T | 2026 (1996) |
| 8 | 2008 | H | 2017 (1987) | V | 2027 (1997) |
| 9 | 2009 | J | 2018 (1988) | W | 2028 (1998) |
| K | 2019 (1989) | X / Y | 2029 (1999) / 2030 (2000) |
Welches der beiden Jahre gilt, ergibt sich aus dem Fahrzeug selbst: Ein Golf V mit Code A ist Modelljahr 2010, nicht 1980. Hersteller, die Stelle 10 nicht als Jahr nutzen (etwa BMW und Mercedes bei vielen europäischen Fahrzeugen), haben dort ein Z oder ein anderes Zeichen. Dann hilft nur der Katalog oder das Typenschild.
5. Besonderheiten bei VW, BMW und Mercedes
| Hersteller | Was in der FIN steckt | Wozu es beim Teilekauf hilft |
|---|---|---|
| VW, Audi, Skoda, Seat | Stelle 4 bis 6 meist ZZZ, Stelle 7 und 8 die Modellkennung (1K = Golf V, 1J = Golf IV, 3C = Passat B6, 8P = Audi A3), Stelle 10 Modelljahr, Stelle 11 Werk (W = Wolfsburg, A = Ingolstadt, N = Neckarsulm, E = Emden, H = Hannover, K = Osnabrück) | Die Modellkennung ist dieselbe wie der erste Block vieler Teilenummern (1K0 ...). Siehe Ratgeber VW-Konzern. |
| BMW, Mini | Stelle 4 bis 7 Typschlüssel des Modells, die letzten sieben Zeichen eindeutige Fahrzeugkennung | Die letzten sieben Zeichen reichen für die Katalogsuche bei RealOEM. Siehe Ratgeber BMW. |
| Mercedes-Benz | Stelle 4 bis 9 enthalten das Baumuster (Baureihe und Motorvariante) | Das Baumuster ist der Schlüssel zum Katalog. Siehe Ratgeber Mercedes. |
Die genaue Belegung der Stellen 4 bis 9 ist Herstellersache und wechselt zwischen Baureihen. Wer eine FIN Zeichen für Zeichen deuten will, braucht die Tabelle des Herstellers für genau diese Baureihe. Für den Teilekauf ist das selten nötig: Der Katalog liest die FIN für dich.
6. Prüfziffer und Lesefehler
In der Zulassungsbescheinigung Teil I steht neben der FIN in Feld 3 eine einstellige Prüfziffer. Sie wird nach einem festen Rechenverfahren (Modulo 11) aus der FIN gebildet und soll Tippfehler bei der Zulassung erkennen. In Nordamerika steckt eine solche Prüfziffer direkt in der FIN auf Stelle 9. Für die Teilesuche brauchst du die Prüfziffer nicht.
Die häufigsten Abschreibfehler: O statt 0, I statt 1, S statt 5, B statt 8. Da I, O und Q in keiner FIN vorkommen, kannst du die ersten beiden Fälle sicher korrigieren. Wenn ein Katalog oder Shop deine FIN nicht findet, zuerst danach schauen.
7. Was die FIN nicht verrät
Motorcode, Getriebe, Farbe, Ausstattung und Produktionsdatum stehen nicht lesbar in der FIN. Sie sind beim Hersteller zur FIN gespeichert. Deshalb ist die FIN so wertvoll: Der Herstellerkatalog löst damit alle Varianten auf, die HSN und TSN nicht unterscheiden. Wie du Teile über die FIN findest, steht im Ratgeber Ersatzteile nach Fahrgestellnummer, der Unterschied zu den Schlüsselnummern im Ratgeber HSN und TSN herausfinden.
8. Häufige Fragen
Kann ich das Baujahr aus der FIN ablesen?
Bei Herstellern, die Stelle 10 als Modelljahr nutzen, ungefähr. Das Modelljahr weicht oft vom Kalenderjahr der Produktion ab. Das genaue Produktionsdatum nennt der Herstellerkatalog oder das Typenschild.
Steht der Motorcode in der Fahrgestellnummer?
Nicht als lesbarer Code. Bei manchen Herstellern deutet eine Stelle im Bereich 4 bis 9 auf die Motorfamilie hin, den genauen Motorcode liefert aber erst der Katalog zur FIN oder das Typenschild.
Was bedeuten die drei Z in einer VW-Fahrgestellnummer?
Es sind Füllzeichen. VW nutzt die Stellen 4 bis 6 bei europäischen Fahrzeugen nicht und füllt sie mit ZZZ auf.
Gibt es die FIN auch bei Autos vor 1981?
Es gibt eine Fahrgestellnummer, aber nicht im 17-stelligen Schema. Jeder Hersteller hatte sein eigenes Format. Kataloge für solche Fahrzeuge arbeiten meist mit Modell, Baujahr und Fahrgestellnummernbereich.
Quellen: ISO 3779 (Aufbau der Fahrzeug-Identifizierungsnummer), Zulassungsbescheinigung Teil I (Felder E und 3), bussgeldkatalog.org: FIN (Fundorte, Einführung 1981), meinID-Wiki: FIN bei VW (Werkscodes, Modelljahr). Stand: Oktober 2026.