Typenschild am Auto lesen: Pflichtangaben, Herstellerdaten und was davon beim Teilekauf hilft

Von Norbert Hofmann

Stand

Kurzantwort

Das gesetzliche Typenschild (Fabrikschild) sitzt meist in der B-Säule oder im Motorraum und enthält sechs Pflichtangaben: Hersteller, Typgenehmigungsnummer, Fahrgestellnummer, zulässige Gesamtmasse, zulässige Gesamtmasse mit Anhänger und die Achslasten. Alles, was außerhalb dieses Pflichtbereichs steht, sind Herstellerangaben: oft Lackcode, Ausstattungs- oder Motorcodes. Für den Teilekauf sind die Fahrgestellnummer und diese Zusatzangaben wichtig, nicht die Massen. Bei VW, Renault und Peugeot/Citroën stehen die entscheidenden Teiledaten zusätzlich auf einem eigenen Aufkleber.

1. Wo das Typenschild sitzt

Die EU schreibt vor, dass jedes Fahrzeug ein Fabrikschild hat, als vernietete Metalltafel oder als fälschungssicherer Aufkleber. Wo es sitzt, legt der Hersteller fest. Typische Stellen:

  • B-Säule: Fahrer- oder Beifahrerseite, sichtbar bei geöffneter Tür. Die häufigste Stelle bei aktuellen Pkw.
  • Motorraum: an der Stirnwand, am Schlossquerträger oder am Federbeindom, vor allem bei älteren Fahrzeugen.
  • Türschweller oder Fußraum: bei einigen Herstellern auf der Beifahrerseite.

Nicht verwechseln mit der eingeschlagenen Fahrgestellnummer: Die ist zusätzlich in die Karosserie geprägt, mit mindestens 7 mm hohen Zeichen, und ist rechtlich maßgeblich. Wie du sie liest, steht im Ratgeber Fahrgestellnummer entschlüsseln.

2. Die sechs Pflichtangaben

Die Pflichtangaben stehen in einem deutlich abgegrenzten Rechteck, in dieser Reihenfolge:

Nr.AngabeWoran du sie erkennstFür Teilekauf
1Name des HerstellersKlartext, z. B. VOLKSWAGEN AGnein
2TypgenehmigungsnummerCode mit Sternchen, beginnend mit e und Landesziffer (e1 = Deutschland)nein
3Fahrgestellnummer (FIN)17 Zeichenja, die wichtigste Angabe
4Zulässige GesamtmasseZahl in kgselten (Anhängerkupplung, Federn)
5Zulässige Gesamtmasse der FahrzeugkombinationZahl in kg, größer als Nr. 4selten (Anhängerkupplung)
6Zulässige AchslastenMit 1- und 2- vor der Zahl, von vorn nach hintenteilweise (Federn, Stoßdämpfer)

Die Achslasten werden bei Federn und Stoßdämpfern manchmal gebraucht, weil Hersteller für dasselbe Modell je nach Achslast unterschiedliche Federn verbauen. Shops fragen dann nach der zulässigen Vorderachslast.

3. Herstellerangaben außerhalb des Pflichtfelds

Unter oder neben dem Pflichtrechteck darf der Hersteller weitere Angaben machen. Was dort steht, ist von Marke zu Marke verschieden. Häufig sind:

  • Lackcode: für Lackstift, Spraydose und lackierte Anbauteile. Je nach Marke zwei bis vier Zeichen.
  • Innenausstattung oder Polstercode.
  • Motor- und Getriebekennung: nicht bei allen Herstellern, und manchmal als interner Code, der nicht mit dem Motorcode auf dem Motorblock übereinstimmt.
  • Typcode oder Baumuster: etwa bei Mercedes und Renault.

4. Zusatz-Aufkleber nach Marke

Mehrere Hersteller haben neben dem Typenschild einen eigenen Aufkleber mit den Daten, die Werkstatt und Teilekatalog wirklich brauchen:

MarkeAufkleberWoWas drauf steht
VW, Audi, Skoda, SeatFahrzeugdatenträgerServiceheft und Reserveradmulde oder KofferraumbodenFIN, Modellcode, Motor- und Getriebekennbuchstaben, Lackcode, PR-Nummern der Ausstattung. Siehe Ratgeber VW-Konzern
Renault, DaciaOvales HerstellerschildTürholm oder MotorraumFahrzeugtyp, FIN, Lackcode, Ausstattungscodes. Siehe Ratgeber Renault und Dacia
Peugeot, Citroën, DSHerstelleraufkleber mit OPR-NummerTürholm oder B-SäuleOPR (Produktionsstand), Lackcode, Ausstattung. Siehe Ratgeber Peugeot und Citroën
Mercedes-BenzKein Aufkleber mit voller Ausstattung, dafür Datenkarte beim HändlerTypenschild in der TürBaumuster auf dem Typenschild, Codes auf der Datenkarte. Siehe Ratgeber Mercedes
Praxis-Hinweis

Fotografiere Typenschild und Zusatz-Aufkleber einmal mit dem Handy. Beide Aufkleber verblassen mit den Jahren oder gehen bei Reparaturen verloren. Mit einem guten Foto beantwortest du jede Rückfrage von Händler oder Forum in Sekunden.

5. Was davon beim Teilekauf hilft

  1. Fahrgestellnummer: der Schlüssel für Herstellerkatalog und Händler, siehe Ersatzteile nach Fahrgestellnummer.
  2. Lackcode: für alles, was lackiert geliefert oder lackiert werden muss.
  3. Ausstattungscodes (PR-Nummern, OPR, Renault-Codes): lösen Varianten bei Bremse, Fahrwerk, Licht und Elektrik auf.
  4. Achslasten: nur bei Federn und Stoßdämpfern, wenn der Shop danach fragt.

Die Schlüsselnummern HSN und TSN stehen nicht auf dem Typenschild, sondern im Fahrzeugschein, siehe HSN und TSN herausfinden.

6. Häufige Fragen

Wo ist das Typenschild beim Auto?

Meist in der B-Säule bei geöffneter Tür, bei älteren Fahrzeugen oft im Motorraum. Den genauen Ort nennt die Betriebsanleitung im Kapitel zu den technischen Daten.

Steht der Motorcode auf dem Typenschild?

Nicht als Pflichtangabe. Manche Hersteller drucken ihn außerhalb des Pflichtfelds dazu, bei VW steht er auf dem Fahrzeugdatenträger. Sicher ist der Code auf dem Motorblock.

Was tun, wenn das Typenschild fehlt?

Für den Teilekauf reicht die Fahrgestellnummer aus dem Fahrzeugschein oder an der Windschutzscheibe. Ein fehlendes Typenschild kann bei der Hauptuntersuchung bemängelt werden, Ersatz gibt es beim Vertragshändler.

Quellen: Verordnung (EU) Nr. 19/2011, Anhang I (Fabrikschild und FIN), Herstellerunterlagen zu Fahrzeugdatenträger (VW), ovalem Typenschild (Renault) und OPR-Aufkleber (PSA). Stand: Oktober 2026.

Norbert Hofmann

Betreibt teile-profis.de, schraubt selbst, prüft jede Teilenummer gegen Katalog oder Forenthread. Fehler gefunden? Mail ans Impressum.